[Presse] "Wir spielen, weil’s Spaß macht" (Quelle: Badische Zeitung)

schmanki
Badische Zeitung vom Donnerstag, 18. Oktober 2007

"Wir spielen, weil’s Spaß macht"

Frauen und Fußball — das ist im Breisgau schon lange keine Seltenheit mehr / Der Sport galt früher als unweiblich

Von unserer Mitarbeiterin Julia Wasmer

BREISGAU. Mit Sporttaschen bepackt, verlassen die vier Mädels fröhlich quatschend das Stadion. Alexia Lambrecht, Laura Littek sowie Anna und Lea Wessels haben noch etwas gerötete Gesichter. Sie kommen gerade vom Fußballtraining der Kleinfeldstaffel des FC Denzlingen. Sie haben sich — wie mittlerweile viele Frauen — über das Vorurteil hinwegsetzt, dass Fußball eine reine Männerdomäne sei. Welche Rolle spielt der WM-Titel der Frauen für den Damenfußball im Breisgau?

"Wir spielen, weil’s Spaß macht und man mit Freunden zusammen ist" , meint Alexia Lambrecht. Sie hatte die Frauen-WM mitverfolgt und ist ein großer Fan von Birgitt Prinz. "Die Jungs finden’s cool, dass wir Fußball spielen" , sind sich die vier einig. In ihrer Mannschaft sind zwölf Mädchen im Alter von neun bis zwölf Jahren. Ihre Trainerin Silvia Rimele hat gerade Abitur gemacht und spielt selbst beim FC Denzlingen. Sie unterstützt die Mädchen bei ihren Träumen, denn "wir wollen auf jeden Fall weiterkommen" versichert Laura Littek.

Auch Simona Strapcans, Spielerin in der Frauenmannschaft des FC, hofft auf einen Aufstieg. Die 20-jährige Rumänin denkt dabei an das internationale Turnier in den Niederlanden, an dem ihre Mannschaft nächstes Jahr teilnehmen wird: "Bei mir war es ein wenig wie im Film ,Kick it like Beckham_ , meine Mutter war erst nicht so begeistert, aber mittlerweile hat sie sich dran gewöhnt" . Strapcans großes Idol ist der Portugiese Luis Figo. Bei Männern sei der Erfolg viel einfacher, so Strapcans, dabei müssten die Frauen genauso kämpfen. Die Fußballerin ist jedoch zuversichtlich: "Wenn alle an einem Strang ziehen, dann kann nichts schief gehen!"

Heinrich Brecht, seit acht Wochen Trainer des Teams, war von Anfang an überrascht über das hohe Niveau seiner Denzlinger "Mädels" , die in der Landesliga spielen. Das Training unterscheide sich nicht von dem der Männern, auch wenn es etwas langsamer ablaufe. "Der Ball ist hier auch rund und elf Spielerinnen rennen ihm hinterher. Eine brasilianische Marta spielt wie ein Ronaldhino." Auffallend sei auch, dass Frauen viel selbstständiger seien, "manchmal sogar zu selbstständig" , meint der Trainer schmunzelnd. Auch wenn er seit der WM 2003 eine höhere Zuwachszahl bei Frauen feststellen konnte, sucht er immer noch Spielerinnen.

Annette Lösle, Trainerin der Frauen des Verbandsligisten der Spielvereinigung Buchenbach meint sogar, dass das Spielniveau der Frauen besser sei, da hier die Kraft nicht so im Mittelpunkt stehe: "Hier geht es nicht so ruppig zu und es gibt keine dieser theatralischen Showelemente." Die vielen Schwalben der Männer finde sie einfach schrecklich, so Lösle. Sie hat die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen gerne verfolgt, vor allem, weil sie Melanie Behringer vom SC Freiburg her privat kennt.

"Es wäre schon ein Traum, nur Fußballerin zu sein" , meint Maritta Kiensle, Spielerin in Buchenbach. Die 26-Jährige die hauptberuflich im Landratsamt in Freiburg arbeitet, spielt seit zwölf Jahren Fußball. Sie brachte der Frauen-WM deutlich mehr Interesse entgegen, als der der Männer. Das Spiel sei einfach netter anzuschauen, da es viel ruhiger zugehe, so Kiensle. Dennoch bekämen die Bundesliga-Frauen viel zu wenig Aufmerksamkeit und "kaum mal ’nen Artikel in der Zeitung" , sagt die junge Frau.

Susanne Schuwerk spielt parallel zu ihrer Physiotherapeutenausbildung in der Verbandsliga des PSV Freiburg/Wolfenweiler. Sie ist der Meinung, dass man die muskulösen Defizite der Frauen akzeptieren müsse. "Das ist eben so. Dafür werden Männer durch das viele Geld manipulierbar. Frauen müssen dagegen mehr Einsatz, mehr Herzblut zeigen" , meint die 23-Jährige.Sie selbst hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man als Frau seine Fußballleidenschaft rechtfertigen muss:"Der Sport wurde viel zu lange als unweiblich abgestempelt."

Der Co-Trainer ihrer Frauenmannschaft, Daniel Gampp, findet ebenfalls, dass der Frauenfußball noch viel zu sehr im Hintergrund steht: "Die deutschen Herren könnten sich von den Frauen ruhig ’ne Scheibe abschneiden." Die Stimmung sei bei Frauen lockerer und die Gemeinschaft sei besser. "Es macht einen Heidenspaß mit den Mädels zu trainieren" , meint er abschließend.

Marco Neumeier trainiert seit sechs Jahren die Frauen des SV Gottenheim. Männer seien zwar robuster, akzeptierten aber nicht so leicht die Meinung des Trainers. "Die meinen immer, sie wüssten es besser" , so Neumeier. Frauen dagegen seien leichter formbar und hörten besser zu.

Elisabeth Richaud spielt seit vier Jahren in Gottenheim. Den Rummel um die Weltmeisterschaft mochte sie nicht besonders. "Die Frauen sind technisch begabter, die Männer aber einfach schneller" , meint die Französin, die auch schon in gemischten Mannschaften spielte. Sie hätte sich schon vorstellen können, den Sport zum Beruf zu machen, doch dazu sei es jetzt zu spät. Nachdem sie ihre Handballkarriere aufgeben musste, weil sie sich vor Handverletzungen fürchtete, hofft sie jetzt beim Fußball verletzungsfrei zu bleiben. "Meine Mutter hat das nie verstanden. Es passe nicht zu meinem Beruf und mir als Frau, meinte sie immer. Schließlich unterrichte ich in Frankreich als Klavierlehrerin." Ihre Teamkollegin Carmen Zahn hat schon als Kind zusammen mit Buben gespielt. Das einzige Problem, das in gemischten Mannschaften auftrat, war die Eitelkeit der Männer: "Wenn man als Frau mal ein Tor schießt, verkraften die das kaum."

http://www.badische-zeitung.de/lokales/l.../freiburgumland