[Presse] Wenn der 23. Mann eine Frau ist (Quelle: DEKRA Solutions)

zappalot
Porträt Bibiana Steinhaus

An dieses Bild muss man sich erst noch gewöhnen: Als erste Frau leitet die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus Spiele der Zweiten Fußball-Bundesliga der Männer. Die 28-jährige Polizistin aus Hannover könnte schon bald auch in der Bundesliga auftauchen.

Morgens, nach dem Aufstehen, liest sie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung". Tagsüber, wenn ihr Mobiltelefon klingelt, freut sie sich über (fast) jeden Anruf und am Wochenende, auf der Couch ihres Wohnzimmers, lässt sie den Tag gerne bei einer Sportübertragung vor dem Fernseher ausklingen. In diesen ersten Wochen des Jahres 2008 führt Bibiana Steinhaus das ganz normale Leben einer modernen, sportinteressierten Frau; noch vor vier Monaten sah dies ganz anders aus. „Ich hab damals keine Zeitung mehr aufgeschlagen, das Telefon ausgeschaltet und im Fernsehen keine Sportsendung mehr angeschaut", erzählt die 28-Jährige. Ein ganz besonderes, ein spektakuläres Ereignis stand an, „und darauf", sagt sie, „hab ich mich intensiv vorbereitet. Ich habe mich von allen medialen Dingen abgeschirmt, um mich hundertprozentig konzentrieren zu können".

21. September 2007, Zweitliga-Fußballspiel SC Paderborn gegen 1899 Hoffenheim. Eine Paarung, die normalerweise nun wirklich keine gesteigerte überregionale Aufmerksamkeit erregt, rückt in den Mittelpunkt des Interesses: Im Innenraum des Paderborner Hermann-Löns-Stadions drängeln sich Fernsehkameras und Fotografen, der "Stern" und "Vanity Fair" schicken eigens einen Reporter ins Ostwestfälische, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) entsendet seinen Mediendirektor Harald Stenger — alles wegen ihr: An jenem Freitagabend leitet die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, eine in Bad Lauterberg im Harz geborene und nun in Hannover lebende Polizistin, als erste Frau ein Fußballspiel zweier deutscher Profimannschaften. „Es war ein herausragendes Erlebnis", sagt die 1,81 Meter große Blonde, die mit starken Leistungen in der Frauen-Bundesliga, der Männer-Regionalliga, in der sie seit 2001 pfeift, sowie bei internationalen Einsätzen und Frauen-Länderspielen die Weichen für ihren Aufstieg gestellt hatte.

Mit dem Slogan „Sei fair zum 23. Mann" warb der DFB jahrelang für Fairness gegenüber den Unparteiischen. Doch was, wenn der 23. Mann plötzlich eine Frau ist? Das von der Öffentlichkeit teils mit Argwohn, auf jeden Fall aber mit großer Spannung verfolgte Premierenspiel endete 2:0 für Hoffenheim. Die große Siegerin jedoch hieß Steinhaus, an deren Auftritt es nichts, rein gar nichts zu mäkeln gab. „Es gibt immer Dinge zu verbessern", meint Steinhaus heute selbst, „so war's auch in diesem Spiel. Aber wenn ich mir die DVD der 90 Minuten so ansehe, dann habe ich mich genauso gegeben wie in all den Spielen zuvor und meine gewohnte Leistung gebracht.»

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Quelle: DEKRA Solutions 1/2008



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