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Zum Ende der Seite springen DFB-Regeln auf dem Prüfstand (I): Vorsicht Glatteis !
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CC 7
Verbandsligaspieler/in


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DFB-Regeln auf dem Prüfstand (I): Vorsicht Glatteis ! Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

DFB-Regeln auf dem Prüfstand (I): Vorsicht Glatteis !

Im thread Sieg durch grobe Unsportlichkeit
wurde das zugrundeliegende Regelproblem bereits konträr diskutiert - wenn auch nicht in allen Nuancen beleuchtet. Wer sich für das Thema interessiert, dem sei auch diese Lektüre anempfohlen: Griseldis Meißner tritt Fairness ins Gesicht (Quelle: HP Holstein Kiel)

Lassen wir zur Einführung nochmal den Themenstarter zu Wort kommen:

Zitat:
Original von horst5
Dass Reservespieler schon mal eine Partie entscheiden können, ist hinlänglich bekannt. Doch seit dem heutigen 2:1(2:1)-Sieg der Leipziger Lok-Frauen bei Holstein Kiel wissen wir, dass ein Akteur nicht einmal eingewechselt worden sein muss, um spielentscheidende Akzente zu setzen.

Beim Stand von 2:1 für Lok, rollt ein einsamer Konter auf das Leipziger Tor zu. Keeperin Carolin-Sophie Härling stürmt heraus, kann den Ball aber nicht
unter Kontrolle bringen. Dieser trudelt nun mutterseelenallein dem verlassenen Gehäuse entgegen. Doch bevor die Kugel zum Ausgleich über die Torlinie kullern kann, sprintet plötzlich Leipzigs Ersatztorhüterin Griseldis Meißner auf den Platz (!) und schießt den Ball aus der Gefahrenzone.

Tolle Knobelaufgabe für jede Stammtischrunde: Wie muss der Schiedsrichter in dieser Situation entscheiden? Die doch einigermaßen überraschende Antwort...:
"Betritt ein Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler unerlaubt das Spielfeld und erreicht durch das Wegspielen des Balles, dass ein Tor verhindert wird, so gibt es einen indirekten Freistoß; an der Stelle, wo bei der Unterbrechung der Ball war und der Spieler wird lediglich verwarnt".

Referee Imke Meinerling aus Hamburg wusste Bescheid - und so hat Griseldis Meißner in dieser Saison zwar noch keine einzige Minute gespielt, aber trotzdem schon eine gelbe Karte auf dem Kerbholz.

Daß dies zu aufbrausenden Reaktionen auf Kieler Seite führte, vermag man sich lebhaft vorzustellen. Augen rollen

Zitat:
Original von Zaunreiter
Ich würde Frau Meißner für diese grobe Unsportlichkeit für mind. 2 Jahre für den Fußball sperren.

Na, na, solch eine drakonische Strafe schießt doch gewaltig über das Ziel hinaus ! Dazu im Vergleich ein nicht ganz alltäglicher Straftatbestand: selbst für das fahrlässige Verursachen einer Atomexplosion (§ 307 StGB Herbeiführen einer Explosion durch Kernenergie) wird der Täter nur 3 Jahre aus dem Verkehr gezogen oder mit einer Geldstrafe belegt !!! geschockt Wenn dann noch was da ist vom Rechtsstaat...

Die teilweise doch ziemlich erzürnten und erbosten Kommentatoren im zitierten Thread gingen von der irrigen Annahme aus, es sei nicht erlaubt, solch ein perfides Handeln an den Tag zu legen. Dieses Handeln ist aber nicht strikt verboten (schon gleich gar nicht strafrechtlich), sondern hat nur seinen vom DFB vorgeschriebenen Preis: indirekter Freistoß nebst Gelber Karte.

Natürlich lächerlich !!
Die präventive Abschreckungswirkung geradezu gigantisch... verwirrt

Auf die Perspektive kommt es an.
Bevor wir hier Griseldis Meißner komplett an den Pranger stellen, sehen wir uns doch ihre Sichtweise aus "Benutzer-Sicht" an: sie wollte einen Regelverstoß begehen mit größtmöglichem Kosten-Nutzen-Effekt. Die Herangehensweise im Normalfall lautet ja: für welchen Regelverstoß gibt es welche Strafe.

Meißner hat es pragmatisch umgedreht: für wieviel Strafe bekomme ich den bestmöglichen Regelverstoß ? So fiel ihre bedachte Wahl auf Regel 12 (Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen, Punkt 18 der zusätzlichen Erläuterungen des DFB), die unter anderem regelt: klare Torverhinderung durch eine Auswechselspielerin.

Was bringt das ? Wie einträglich war das Vergehen ? Der Effekt war enorm: kein Tor !! Kein Ausgleichstor, auch die psychologische Auswirkung auf das gegnerische Team ist sicherlich nicht zu unterschätzen !

Die Gelbe Karte und den indirekten Freistoß kann man da billigend in Kauf nehmen...zu allem Überfluß soll es sogar noch ein "Schmerzensgeld" für die Übeltäterin gegeben haben...die Prämie hat sie sich ehrlich verdient: als "Kopfgeldjägerin" nach einer Lücke im Paragraphendickicht der DFB-Regeln !

Dabei bewies sie genaue Regelkenntnis: hätte sie das Tor nämlich mit der Hand verhindert (schließlich war sie als Ersatztorhüterin ja mit Torwarthandschuhen bewaffnet), so hätte sie ROT gesehen. So haben nur die Kieler Fans "rot" gesehen...

In diesem Falle greift nämlich die "Highlander-Regel": es kann nur einen geben ! Nur die nominelle Torhüterin darf den Ball im eigenen Strafraum mit
der Hand berühren. Kleine Zusatzfrage: für das Handspiel der "Second hand-Torhüterin" im Strafraum gibt es...keinen Strafstoß !! Sondern nur indirekten Freistoß maximal von der Torraumlinie !! Wer hat's gewußt ?

Meines Erachtens ein grober Mangel der geltenden Regel: es wird nämlich NICHT unterschieden, ob der Ball sich unmittelbar vor der Überschreitung der Torlinie befindet (z.B. im Fünfer) oder aber noch weit außerhalb des 16ers. Das Strafmaß ist beide Male identisch: indirekter Freistoß ! Obwohl einem der Gerechtkeitssinn mindestens in ersterem Falle einen Elfmeter mehr als nahelegt...

Betrachtet man den Image-Schaden den Lok Leipzig und vor allem Griseldis Meißner davongetragen haben, so kann man sicherlich übereinstimmend sagen: das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht !! Griseldis Meißner und ihr Verein Lok Leipzig haben damit traurige Berühmtheit erlangt ! Teufel rotes Gesicht

Selbst wenn Leipzig auf- und Kiel absteigt: dieser Preis war zu hoch !!
Nicht der Ball, sondern das Fair play wurde hier mit Füßen getreten !!

Auch wenn Lok Leipzig als "Wiedergutmachungsgeste" ein Abendessen für Holstein Kiel spendieren will, daran wird Leipzig noch sehr lange zu knabbern haben...
Die Auswechselspielerinnen von Lok Leipzig, die sich hinter dem Tor aufwärmen, werden in nächster Zeit wohl äußerst argwöhnisch beäugt werden...

Vielleicht hat diese Aktion ja auch "Vorbildfunktion" und manch ein Verein denkt bereits fieberhaft darüber nach ob man seine Auswechselspieler nicht
gleich von Anbeginn strategisch günstig hinter dem eigenen Tor postiert... Teufel l
Ob sich die Nachahmungstäter schon warmlaufen...etwa gar zukünftige Gegner von Lok Leipzig ?? Augenzwinkern

Doch begeben wir uns nun noch mehr auf's regeltechnische Parkett: ich halte jede Wette, daß sehr viele Fußballfans folgenden vergleichbaren Regelfall nicht richtig beantworten können... Augenzwinkern Baby

Na, dann überrumpelt mal Euren "Fußballexperten" nach Wahl... Freude und schildert im folgenden harmlosen Fall:

Ausgangssituation wie oben, dann kommt wieder die Ersatzspielerin ins Spiel: wieder läuft sie von außen rein auf's Spielfeld, berührt den Ball zwar mit dem Fuß, aber trifft ihn nicht richtig, sodaß der Ball dennoch ins Tor rollt.

Der Ball liegt im Netz, der Sachverhalt ist sonnenklar, die Entscheidung somit auch...oder ? Wie würdet Ihr entscheiden ?

Ist doch klar, oder etwa nicht ?? Grübel, grübel... Zunge raus
Geraten da selbst gestandene Schiedsrichter ins Schwitzen ? Zunge raus

Die Gehirnwindungen derjenigen mit "Griseldis-Meißner-Informationsvorsprung" drehen noch ein paar Extrarunden...und kommen dann zu dem eindeutigen Ergebnis: ???

Wer braucht noch ein wenig Bedenkzeit ? O.k.

Wer hat sich für Tor und Gelb entschieden ? Bravo ! Daß man das Tor geben sollte, dürfte für den "normalen" Menschenverstand leicht nachvollziehbar sein. Über Rot statt Gelb sollte man ernsthaft nachdenken, aber momentan wird nur das unerlaubte Betreten des heiligen englischen Rasens mit Gelb geahndet, nicht die m.E. grobe Unsportlichkeit der Auswechselspielerin. Die Regelkommission stellt fälschlicherweise nur ab auf das Wegschießen mit dem Fuß als fußballtypische Bewegung und läßt dabei die offensichtliche Unfairness außer Acht.

Wie ? War's das schon, wo ist denn da die Pointe ?
Wer hat denn gesagt, daß dies richtig ist ?? Vorsicht Glatteis !!

Nach der "alten Regel" wurde tatsächlich auf Tor entschieden, aber diese ehrwürdige Regel wurde m.W. kassiert von den Herren der IFAB (International Football Association Board), eine 1882 gegründete internationale Kommission, die Änderungen der Fußballregeln beschließt. Die weisen (böse Zungen sagen greisen) Mitglieder des Gremiums, deren geschätztes Mindesteintrittsalter schlappe 70 Jahre beträgt, haben ihr Veto eingelegt und diese Regelung gekippt. So lautet die aktuelle DFB-Auslegung, jetzt auch FIFA-verbindlich: kein Tor und nur Gelb
für die eingreifende Auswechselspielerin !! Überraschung !!

Da ist man platt !! Keine "Vorteilsauslegung", die irgendwie naheliegt... zu Rot konnte man sich auch nicht durchringen (für solch einen gravierenden Fall wie bei Leipzig)...

Wer hat durchgeblickt ? Nur die IFAB's ?? großes Grinsen
Ansonsten Kompliment ! Beeindruckende Regelkenntnis !!

Betonen möchte ich, daß dies nur meinen bescheidenen Kenntnisstand widergibt, wenn es also jemand besser weiß...

Eine Regeländerung erscheint mir in diesem Punkt mehr als angebracht - auch wenn ich wenig Hoffnung habe, daß meine Zeilen als ausreichender Denkanstoß dienen werden...

Gruß
CC 7
16.11.2010 11:16 CC 7 ist offline E-Mail an CC 7 senden Beiträge von CC 7 suchen Nehmen Sie CC 7 in Ihre Freundesliste auf
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Wow. Danke für den wirklich spannenden Post. War sehr interessant.
Denke auch, dass die Regeln da angepaßt werden sollten.

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16.11.2010 22:53 Bezorar ist offline Homepage von Bezorar Beiträge von Bezorar suchen Nehmen Sie Bezorar in Ihre Freundesliste auf
CC 7
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Aus aktuellem Anlaß (Jürgen Brauße ist ja nun wieder Trainer von Lokomotive Leipzig, wie schon damals beim Skandal-Spiel am 07.11.2010 gegen Holstein Kiel) Anschauungsuntericht, so geht man damit richtig um !

Wahlweise könnte man ja die Auswechselspielerinnen von Lok Leipzig hinter dem Tor in prophylaktische Manndeckung nehmen... Zunge raus

Zitat:
Original von Saarbrücker Zeitung
Merchweiler Trainer Sahl erhält DFB-Preis

Merchweiler. Trainer Michael Sahl von Landesligist SV Merchweiler ist einer von fünf Bundessiegern beim Wettbewerb "Fair ist mehr" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Im Spiel gegen die FSG Schiffweiler II (1:2) im Oktober 2010 war ein SV-Reservespieler aufs Feld gerannt und hatte ein Tor der FSG verhindert. Sahl nahm beim folgenden Freistoß seine Spieler beiseite, so dass Schiffweiler den Ball zum 1:1 ins leere Tor schießen konnte.

Jetzt auch in bewegten Bildern beim Saarländischen Rundfunk, Aktueller Bericht vom 11.10.2011: Fair-Play-Preis für Michael Sahl.

http://sr-mediathek.sr-online.de/beitrag_Video.php?id=8220

Gruß
CC 7
13.10.2011 17:14 CC 7 ist offline E-Mail an CC 7 senden Beiträge von CC 7 suchen Nehmen Sie CC 7 in Ihre Freundesliste auf
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Ja ist es denn die Möglichkeit...?
Die bekloppteste Regel im Fußball wurde abgeschafft !!

Na endlich !

Die Schwäche der vorherigen Regelung wurde bereits schonungslos offengelegt, wenn man den zu Grunde liegenden Fall von Griseldis Meißner leicht modifiziert, wird´s noch schlimmer...
Wie wäre es gewesen, wenn sie anstatt den Ball wegzuschlagen, z.B. listigerweise das Leder aus 13 Meter ins eigene Tor reingehauen hätte mit dem Ausruf: "So ein Mist !".

Ha, das wär richtig fies !! Die Bestrafung nach alter Regel wär dieselbe gewesen wie fürs Wegschlagen: Gelbe Karte, Freistoß und kein Tor !!

Total behämmert !! Eigentlich jedem klar, nur den IFAB's nicht...

Den Ball also ins eigene Tor befördern, am besten mit einem wehleidigen Spruch garniert, tja, das war der ultimative Tip - aber hier eine genaue Anleitung geben, wie man's richtig clever anstellt bestehende DFB-Regeln auszuhebeln...so weit kommt's noch...

Obwohl...am Ende hätte man noch Mitleid mit den übeltätern...denn, wer weiß denn sowas ??

Es gibt für Stutzen die penibelste Kleiderordnung (s. Kleiderordnung, Ein Fall für Beck jetzige Baitinger):
Kleiderordnung (Freiburg - Saarbrücken)
- aber diese grobe Ungerechtigkeit bei Auswechselspielern blieb jahrelang bestehen, obwohl der Handlungsbedarf offenkundig war, grotesk !

Jahre gingen so ins Land mit dieser bescheuerten Regel, die tranfunzeligen IFAB's kriegten es nicht gebacken, diese offensichtliche Regelungslücke zu schließen.
Stattdessen vergab man Fair play Preise - so schön diese Fair play Preisverleihungen (z.B. für Michael Sahl) auch gewesen sein mögen, noch viel besser ist die jetzige Regeländerung !!

Seit dem 1. Juli ist die neue sinnvolle Regelung in Kraft, die dem gesunden Menschenverstand folgt (obiger Fall: Tor, Rote Karte).

Nicht, daß ich mich der Illusion hingebe, meine Zeilen hätten irgendwas bewegt...aber immerhin waren die Herren von der IFAB schneller als weiland die Kirche bei Galileo Galilei...

Gruß
CC 7
21.10.2016 13:36 CC 7 ist offline E-Mail an CC 7 senden Beiträge von CC 7 suchen Nehmen Sie CC 7 in Ihre Freundesliste auf
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